Die Orgelbauer Bühler (Bihler, Biehler, Büehler) in Konstanz
Der Orgelbauer Johann Michael Bühler ist Schöpfer von vielen wichtigen Orgelwerken im Bodensee- und Hochrheingebiet. Der Name Bühler wird je nach Region unterschiedlich geschrieben. Johann Michael schreibt sich selbst Büehlr. In der Literatur wird meist Bihler oder Biehler geschrieben. Die Schreibweise Bühler dürfte aber eher der damaligen Usanz entsprechen. Trotz ihrer umfangreichen und die Region prägenden Werktätigkeit ist bisher zur Orgelbauerfamilie Bühler und ihren Werken kaum geforscht worden. Ihre Biographien beschränken sich deshalb nebst wenigen Lebensdaten auf das Verzeichnis der wichtigsten Werke, von denen heute nur noch einige mächtige Orgelprospekte zeugen.
Johannes (Michael) Bühler wird als Sohn von Johann Martin Büehler und seiner Ehefrau Maria Elgass am 16. April 1697 in St. Gallus von Bregenz getauft. Der Nachname Bühler oder Büehler mutiert im Taufeintrag zu Büller. Der Vater ist von Beruf Senn, stammt aus Appenzell und ist kurz vorher von Weiler im Allgäu nach Alberloch (Lochau) bei Bregenz gezogen. Johann Michael ist das dritte Kind, zwei seiner Geschwister sind noch in Weiler geboren[1] Über seinen Lehrmeister und seine Gesellentätigkeit ist nichts bekannt. Am 19. Juni 1730 findet seine Aufnahme als Bürger von Konstanz statt. Im gleichen Jahr wird Bühler als Orgelmacher in die Schreinerzunft von Konstanz aufgenommen. Das Dokument der Handwerkerzunft ist hochinteressant.[2] 1731 heiratet er in Kreuzlingen.[3] Die Familie hat neun Kinder. Mitte der 1730er-Jahre beginnen die Aufträge der Orgelwerkstatt zu wachsen. . Bühler wird nun, offenbar wegen der Metallarbeiten an den Orgeln, am 15. Januar 1736 auch in die Schmiedezunft aufgenommen. In einem Eintrag von 1738 ist Johannes Hauber aus Stiefenhofen im Allgäu als Lehrling erwähnt, der aber schon 1735 in die Werkstatt eingetreten ist.[4] 1741 wird Bühler im Vertrag mit der Abtei Petershausen Bürger und Orgelbauer zu Konstanz genannt. 1745 nimmt er Benedict Bühler vom «Emhoff» in Alberloch (Lochau) bei Bregenz in die Lehre auf. Wichtige Mitarbeiter in seiner Konstanzer Werkstatt sind der Geselle Joseph Anton Moser[5] aus Bischofszell und später auch der 1743 geborene Sohn Johann Michael Wolfgang. 1763 wird der letzte Vertrag mit Johann Michael Bühler für die Wiederherstellung der Orgel im Münster zu Konstanz geschlossen. Im Oktober 1765 folgt im Zunftbuch der Eintrag seines zweiten Sohnes Johann Michael (Wolfgang) als Orgelmacher.
Der Tod des Vaters Johann Michael am 18. Dezember 1765 ist im Totenbuch von St. Stephan belegt. In ihm ist das Alter von 69 Jahren festgehalten, das eigentlich 68 Jahre und acht Monate beträgt. 1767 erfolgt im Zunftbuch auch der Eintrag des Sohnes Johann Michael (Wolfgang) als Meister. 1768 wird im Konstanzer Häuserzensus des Quartiers Rosengarten dieser Sohn als Orgelmacher und Besitzer der Werkstatt aufgeführt.
Der Werkstattnachfolger ist demnach Johann Michael Wolfgang und nicht der bisher genannte, Johann Baptist Basilius. Dieser Name, der in Quellen nicht aufzufinden ist, basiert wahrscheinlich auf einem Irrtums in den Arlesheimer-Notizen von Andreas Silbermann.[6]
A Gesicherte Werke
Orgelprospekt vollständig erhalten: ☆☆☆☆ Orgelprospekt überarbeitet erhalten: ☆
| 1737/38 | Schlosskirche der Deutschordenskommende Mainau, Emporenorgel. | ||||||||
| Orgel mit 8 Register für 250 Gulden.[7] Auftraggeber ist der Komtur Freiherr von Reinach. 1823 Verkauf nach St. Petrus und Katharina in Honstetten (Eigeltingen). Dort Neubauten 1883 und 1969. Das Prospektgehäuse ist nicht erhalten. Nur ein Teil seiner Figuralplastik von Joseph Anton Feuchtmayer ist erhalten. (Ursprünglich sind sieben Figuren in der Kirche aufgestellt, nach einem Diebstahl 1985 sind nur noch fünf erhalten). | |||||||||
| 1737 | Franziskanerkloster Hedingen bei Sigmaringen, Orgel. | ||||||||
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Orgelneubau für 212 Gulden. Aufraggeber ist Friedrich Ludwig Fürst zu Hohenzollern. Die Lage der Orgel ist unsicher: In der damaligen Hohenzollerngruft unter dem Hochaltar? Die Orgel ist nicht mehr erhalten. |
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| 1741/42 | Kirche der Benediktiner-Reichsabtei Petershausen bei Konstanz, Hauptorgel | ||||||||
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Eine neue Orgel mit 15 Register und vier Blasbälgen wird 1741 von Abt Alphons Strobel bei «Michäele Bühler, cive et organario constantiensi» bestellt. Es muss die Orgel sein, welche die Abtei Petershausen 1778 nach St. Georg in Ratzenried bei Wangen im Allgäu verkauft, die dort aber schon 1833 abgebrochen und ersetzt wird. |
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| 1743 | Pfarrkirche St. Martin in Ittendorf, Hauptorgel. | ||||||||
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Das zwischen Markdorf und Meersburg liegende Ort gehört 1743 dem Hochstift Konstanz.[8] An Johann Michael Bühler werden in diesem Jahr 64 Gulden für eine neue Orgel bezahlt. Die niedere Summe könnte auch eine Schlusszahlung sein. Die Orgel, deren Disposition und Aussehen unbekannt ist, wird schon 1853 durch eine neue Orgel [II/P/10] ersetzt, die alte Orgel soll aber weiterhin in der Kirche verblieben sein. |
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| 1743/44 | Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Hagnau am Bodensee, Haupt- u. Chororgel. | ||||||||
| Hagnau ist bis 1803 eine Herrschaft der Abtei Weingarten. Für die Pfarrkirche baut Bühler 1743 eine Orgel mit 14 Register für 500 Gulden und liefert 1744 zusätzlich ein «Chorörgelein».[9] Diese Chororgel wird 1836 verkauft. Die Hauptorgel wird spätestens 1903 mit einem neuen Werk und einem neuen (neugotischen) Prospektgehäuse ersetzt. |
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| 1744/45 | Klosterkirche der Benediktinerabtei Isny, Hauptorgel. ☆☆☆☆ | ||||||||
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| 1746/48 | Münster Mittelzell Reichenau, Orgel. | ||||||||
| Bühler liefert eine neue Orgel mit Übernahme der Vorgängerorgel für 415 Gulden. Schon 1860 ist die Orgel nicht mehr vorhanden. |
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| 1749 | Kirche des Dominikanerinnenklosters Löwenthal, Hauptorgel. | ||||||||
| Orgelneubau von 12 Register für 400 Gulden für die Kirche St. Johannes Baptist des 1806 aufgehobenen Frauenklosters bei Buchhorn (heute Friedrichshafen-Ailingen). Die Orgel wird 1813 nach St. Leonhard in Dätzingen bei Weil der Stadt verkauft. «Eine vortreffliche, aus dem Kloster Löwenthal hierher gebrachte Orgel in Rococcofassung, steht an der westlichen Giebelseite der Kirche» (S. 144 in Beschreibung des Oberamtes Böblingen 1850). 1983 Orgel- und Gehäuseneubau. Der Verbleib des Rokokoprospektes ist unbekannt. | |||||||||
| 1749/52 | Kirche St. Martin der Deutschordenskommende Altshausen, Hauptorgel. ☆ | ||||||||
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| 1750 | St. Peter und Paul, Hilzingen im Hegau. Siehe Zuschreibungen. ☆☆☆☆ | ||||||||
| 1753 | Domkirche Arlesheim, Hauptorgel (heute in Delsberg). ☆☆☆☆ | ||||||||
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| 1756 | Pfarrkirche St. Martin im thurgauischen Arbon, Orgel im Chor. | ||||||||
| In der paritätischen Kirche wird 1756 eine Orgel (I/P10) im Chor aufgestellt. Für das Instrument wird dem Orgelbauer 500 Gulden bezahlt. Sie wird später im Einverständnis mit den Evangelischen auf die Empore gestellt und 1790 neu gebaut. Die Bühler-Orgel wird 1791 verkauft und ist nicht mehr erhalten. Weder die Disposition noch das Aussehen sind bekannt. |
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| 1756/58 | Damenstiftskirche Säckingen, Hauptorgel. | ||||||||
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| 1758/75 | Marienkapelle Ertingen, Emporenorgel. | ||||||||
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| 1759 | Damenstiftskirche Säckingen, Chororgel. | ||||||||
| Dem Orgelbauer Bühler werden 1759 «wegen reparierung und newer Register einsetzung in die Kleine Chor Orgel 30 Gulden» bezahlt. Die Orgel mit fünf Register kommt 1813 in die Schlosskirche der aufgehobenen Deutschordens-Komturei Beuggen bei Rheinfelden und ist heute nicht mehr vorhanden. |
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| 17?? | Kirche der Johanniterkomturei Villingen, Hauptorgel. | ||||||||
| Johann Michael Bühler baut Mitte des 18. Jahrhunderts (das Baujahr ist unbekannt) eine Emporenorgel für die 1711 barockisierte Johanniterkirche Villingen. Nach deren Aufhebung wird sie 1817 in der Villinger Münsterkirche neu aufgebaut. Ein Orgelbauer beschreibt sie 1816. Sie hat 17 Register und zwei Manuale, 12 Fuss Breite und 18 Fuss Höhe. 1909 wird sie zu Gunsten einer pneumatischen Orgel mit neuem Prospektgehäuse abgebrochen. Das Aussehen der (vielleicht schon veränderten) Bühler-Orgel kann auf einer Fotografie des 19. Jahrhunderts erahnt werden.[14] |
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| 1761/62 | Jesuitenkirche Saint-Michel Fribourg (Freiburg im Üechtland), Hauptorgel ☆ | ||||||||
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| 1763 | Münster Konstanz, Hauptorgel | ||||||||
| Ein Verding (Vertrag) des Domkapitels von Konstanz mit dem Orgelmacher Johann Michael Bühler vom 20. September 1763 über die Wiederherstellung der grossen Orgel für 1200 Gulden wird in der Quellensammlung von Paul Zinsmaier 1957 genannt. Die hohe Verdingsumme zeigt, dass es sich hier eher um einen Neubau, vielleicht unter Verwendung älterer Teile, in den noch heute erhaltenen Renaissance-Orgelprospekt von 1518 handelt. Dass die Wiederherstellung durch Bühler in der lückenhaften Orgelgeschichte des Konstanzer Münsters nicht erwähnt ist, darf nicht verwundern. Erstmals ist hier 1858 ein Neubau des Instrumentes dokumentiert.[17] | |||||||||
B Zuschreibungen
Orgelprospekt vollständig erhalten: ☆☆☆☆ Orgelprospekt überarbeitet erhalten: ☆
| 1736 | Augustinerkirche Konstanz (?), Hauptorgel | ||||||||||||
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| 1750 | Pfarrkirche St. Peter und Paul, Hilzingen im Hegau, Hauptorgel ☆☆☆☆ | ||||||||||||
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| 1751 | Pfarrkirche St. Martin, Stiefenhofen im Allgäu | ||||||||||||
| Im «Urbarium» (1720-1755) beschreibt Philipp Jacob Liebherr, Pfarrer und Deputat zu Stiefenhofen, den Bau einer Orgel mit 9 Register, Subbass und Posaune durch einen «Orgelmacher» aus Konstanz. Sein Name wird nicht genannt, weil aber Bühler einziger Orgelbauer in Konstanz ist, muss die Orgel ihm zugeschrieben werden. Johannes Hauber aus Stiefenhofen könnte noch als Geselle mitgewirkt haben. Spätestens mit dem Neubau des Langhauses wird 1913 auch eine neue Orgel gebaut. Siehe zu dieser Orgel die Transkription der Seiten 90–94 aus dem «Urbarium» (Verfasser: Alberto de Andrés, Romainmôtier). |
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Johann Michael Wolfgang ist der zweite, 1743 geborene Sohn von Johann Michael Bühler. Er beginnt die Lehre bei seinem Vater um 1755. 1768 ist er im Häuserverzeichnis als Orgelmacher Michael Bühler mit seiner Frau Maria Victoria Geissenhofer und dem (zu dieser Zeit bereits in Freiburg im Üechtland lebenden) Gesellen Joseph Moser aufgeführt. Hingegen ist weder ein Johann Baptist Basilius noch der erstgeborene Sohn Johann Michael Anton erwähnt. Johann Michael (Wolfgang) Bühler stirbt schon 1785 und hinterlässt sechs Kinder. Die Geburten von vier Kindern in Mengen bei Sigmaringen zeigen, dass er sich 1773–1780 in Mengen aufhält.
Es könnte sein, dass der Grund dieses Wegzuges aus Konstanz eine 1771 erfolgte Auseinandersetzung seines von Mengen stammenden Gesellen Johann Willhelm mit der Konstanzer Zunft ist. Wahrscheinlicher ist aber, dass der 1773 vom Konstanzer Stadtrat wegen Schulden unerwünscht erklärte Orgelbauer Bühler nicht der bisher in der Literatur genannte Johann Baptist Basilius, sondern der Werkstattnachfolger Johann Michael Wolfgang Bühler ist.
| 1769/70 | Kirche St. Peter und Paul des Franziskanerinnenklosters Laiz, Hauptorgel ☆ | ||||||||
| Das Frauenkloster im Dorf Laiz bei Sigmaringen wird schon 1782 von Österreich aufgehoben. Die heutige Pfarrkirche ist die ehemalige Klosterkirche. 1769 erteilt Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen den Auftrag für eine Orgel auf der unteren Nonnenempore. Sie ist als Rückseite des frei auf der Empore stehenden Nonnenaltars gebaut. Der kleine Rokokoprospekt der Kunstschreiner Franz Xaver Gogel und Johann Baptist Hops ist erhalten. Das Werk ist durch einen Schriftverkehr eines Schreinergesellen mit der Meisterin für Bühler gesichert. 1904 wird auf der oberen Empore eine grössere Orgel mit 10 Register aufgestellt, deren Werk 1956, gleichzeitig mit dem der kleineren Bühler-Orgel einem Neubau (unter Verwendung einiger alter Register) weicht. |
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| 1775(?) | Marienkapelle Ertingen, Emporenorgel ☆☆☆☆ | ||||||||
| Siehe 1758. Der Prospekt wird in der Orgelliteratur ohne Quellenangaben und wahrscheinlich falsch mit 1775 datiert. Vielleicht revidiert in diesem Jahr Johann Baptist Basilius Bühler die Orgel. |
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| 1777 | (Annahme) Benediktiner-Reichsabtei Petershausen bei Konstanz, Hauptorgel | ||||||||
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Pius Bieri 2025
Revidiert im Februar 2026 aufgrund der neuen Bühler-Lebensdaten, die mir Alberto de Andrés (Romainmôtier) übermittelt hat.
| Literatur: |
| Knoepfli, Albert: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bezirk Frauenfeld. Basel 1950. |
| Musch, Hans: Orgelgeschichte der Münsterpfarrei Villingen, in: Festschrift zur Weihe der neuen Münsterorgel in Villingen (1983). |
| Grüber, Michael: Orgelbauer Johann Georg Aichgasser (1701–1767), Leben und Werk, in; Zeitschrift für hohenzollerische Geschichte 23. Sigmaringen 1987. |
| Manecke, Wolfgang und Mayr, Johannes: Historische Orgeln in Oberschwaben. Der Landkreis Biberach. Regensburg 1995. |
| Hux, Angelus und Troehler, Alexander: KlangRäume, Kirchen und Orgeln im Thurgau. Frauenfeld 2007. |
| Zepf, Markus: Die Silbermanns in Basel und Arlesheim. Begleitheft zur Ausstellung 2007. |
| Manecke, Wolfgang und Vogl, Mark: Historische Orgeln im Bodenseekreis: mit einem Inventar aller bekannten Pfeifenorgeln in den Kirchen des Landkreises. Messkirch 2014. |
| Wieser, Andreas: Flammende Musik. Festschrift zur Weihe der neuen Thomas-Orgel in der Barockkirche St. Peter und Paul in Hilzingen. Hilzingen 2017. |
| Hörler, Bernhard: Orgelbau Goll, Luzern. Dispositionen und Fotos Opus 1–100. Luzern 2020 |
| Wieser, Andreas: Zur geistlichen Wend. Die Barockkirche St. Peter und Paul Hilzingen. Hilzingen 2023. |
| Web: |
| Fribourg, Collège St-Michel: église et orgue Bihler-Mooser-Kuhn in https://www.orgues-et-vitraux.ch. |
| Canton du Jura: Delémont, un riche patrimoine in: https://www.orgues-et-vitraux.ch. |
[1] Alle neuen Lebensdaten zu Johann Michael Bühler, seiner Familie und den Geburtsorten verdanke ich den Recherchen von Herrn Alberto de Andrés (Romainmôtier) in den Kirchen- und Zunftbüchern von Konstanz, Kreuzlingen, Bregenz und Weiler im Allgäu. Dank seinen Forschungen kann das bisher in der Literatur genannte Geburtsjahr 1687/88 nun berichtigt werden.
Ergänzend teilt er mir folgende Daten zur Familie mit:
Heirat des Vaters Johann Martin Büehler am 3. Februar 1692 in Weiler im Allgäu. Die Ehefrau Maria Elgass stammt aus dem nahe bei Weiler gelegenen Oberleute (Simmerberg).
In Oberleute werden geboren: Agatha 22.1.1694 und Joseph 8.1.1696.
In Alberloch werden geboren: Johann (Michael) 16.4.1697; Antonius Andreas (†) 30.11.1698; Ferdinandus 8.10.1702
[2] «Anno 1730 den 30 April ist ein ehrsames Handwerk beisammen gewesen und ist Quartal Handwerk gehalten worden, und ist bei uns einverleibt worden Herr Hans Michell Bihler, Orgelmacher, von Bregenz gebürtig; und sind ihm Geselle verdungen worden, nach Handwerks-Gebraucht zugeschickt zu werden; bei nebens sollen die Gesellen fleissig verbunden sein, bei der Unferg (Umfuhrt) zu erscheinen; wo solches nicht geschehen thäte, solle er, H. Hans Michell, den Gesellen das Pruff-Entgelt (Strafe) schuldig sein zu erlegen. Was die Buben anbelangt, so werde sich ein Handwerk noch darüber bedenken, und was sein kann ohne Schaden ihm aufgedingt werden, und gibt in die Lade 4 fl und dem Handwerk einen Trunk; bei nebens solle er alle 4 Wochen Quartall 4-mal schuldig sein in die Lade zu erlegen; wann aber 3 Quartall ausständig wären und nicht beigelegt wurden, so soll solches aufgehebt sein; bei nebens solle auch H. Hans Michall die Schreinerarbeit bemissigen und solle ihm nicht vergunget sein zu machen als was zu einer Orgel zugehörig ist.»
| Das Dokument legt die Bedingungen für seine Aufnahme wie folgt fest: | |
| ● | Einstellungsrecht: Ihm werden Gesellen nach Handwerksbrauch zugewiesen und verdingt. |
| ● | Disziplin: Er ist für das Erscheinen der Gesellen bei der Umfuhr (Prozession/Versammlung) verantwortlich; andernfalls hat er an ihrer Stelle das Strafentgelt zu entrichten. |
| ● | Lehrlinge (Buben): Das Handwerk behält sich die Entscheidung vor, ob ihm später Lehrlinge zugeteilt werden können, sofern dies den anderen Meistern keinen Schaden zufügt. |
| ● | Finanzen: Er zahlt eine Gebühr von 4 Gulden in die Handwerkslade und stiftet einen Meistertrunk. Die Quartalsbeiträge sind regelmässig zu leisten; bei einem Rückstand von drei Quartalen wird seine Mitgliedschaft aufgehoben. |
| ● | Zunftschutz (Protektionismus): Eine entscheidende Klausel am Ende: Als Orgelmacher muss er sich der allgemeinen Schreinerarbeit müssigen (enthalten). Es ist ihm untersagt, Arbeiten zu verrichten, die nicht unmittelbar zum Orgelbau gehören. |
[3] Bemerkungen zur Notiz der Heirat am 28. Januar 1731 von «Michäel Bihler mit Maria Theresia Schwögerlin» in Kreuzlingen bei Konstanz:
1. Kreuzlingen nennt sich damals einzig das Kloster im thurgauischen Gebiet vor Konstanz, bei dem sich nur ganz wenige Wohnbauten befinden. Das Dorf beim Kloster heisst Egelshofen. Weil 1732–1734 im Kloster Ausgaben für eine neue Orgel vermerkt sind, könnte dies ein Grund für die Heirat in Kreuzlingen sein.
2. In Konstanz werden den Eheleuten Michael und Theresia Bühler mehrere Kinder geboren: 24.5.1735 Joanna Caecilia; 4.12.1736 Francisca Barbara; 4.6.1738 Johann Michael Anton; 1.8.1740 Maria Theresia; 9.9.1742 Maria Anna Walburga; 31.10.1743 (Johann) Michael Wolfgang; 25.5.1747 Maria Francisca Xaveria; 21.12.1748 Johannes Thomas; 30.5.1750 Maria Felicitas. Quelle: Kirchenbücher Baden via FamilySearch.
3. Das in der Orgelliteratur wiederholt genannte Taufdatum 1732 eines Johann Basilius kann in den badischen Büchern nicht bestätigt werden. Hingegen ist der 1743 geborene Johann Michael Wolfgang im Häuserzensus 1768 von Konstanz (Erstes Quartier Rosengarten, Haus Nr. 55) als Orgelmacher eingetragen. Er hat mit der Ehefrau Viktoria Geissenhofer sechs Kinder und stirbt mit 42 Jahren 1785 in Konstanz.
[4] Johann Hauber (1697?–1765), auch Huber, aus Stiefenhofen im Allgäu. Nur wenige seiner Werke sind bekannt. Er baut 1754/55 die Orgel der Damenstiftskirche Lindau und wird auch für Arbeiten in Bregenz erwähnt. Der Eintrag am 25. Februar 1738 als Lehrling, mit vermerktem Beginn an Pfingsten 1735, lässt am bisher genannten Geburtsdatum zweifeln. Dieses müsste eher um 1720 liegen. Im « Seelenbeschrieb » (Zensus 1677-1721) von Stiefenhofen im Allgäu werden aber neun mit dem Namen Johannes Hauber geborenen Kinder zwischen 1687 und 1725 erwähnt. Das Geburtsjahr bleibt damit offen..
[5] Joseph Anton Moser (1731–1792) aus Bischofszell im Thurgau. Er arbeitet mit Bühler in Arlesheim und in Freiburg im Üechtland, wo er sich selbständig macht. Im Konstanzer Häuserzensus 1768 wird noch immer ein Joseph Moser als Geselle erwähnt, obwohl dieser zu dieser Zeit schon in Freiburg lebt und verheiratet ist. Sein Sohn Aloys Mooser (1770–1839) ist Erbauer der grossen Münsterorgel in Freiburg.
Siehe zu Joseph Anton Moser das HLS unter https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047851/2008-12-18/ oder den Beitrag zu einer Hausorgel von Joseph Anton Moser (franz.) unter https://www.espacedam.ch/wp-content/uploads/zak-003_2010_67__358_d-1.pdf
[6] Dazu die Hypothese von Alberto de Andrés:
Es gibt keinen Sohn namens Johannes Baptist Basilius, der in einer Notiz wahrscheinlich irrtümlich von Andreas Silbermann erwähnt ist (1753 Bühler-Orgel für die Domkirche Arlesheim, heute in Delsberg). Oft findet man solche Irrtümer in den Notizen von Andreas Silbermann. In der Notiz werden « Johannes Baptist Basilius » und "Joseph Moser » als Gesellen erwähnt, aber es ist von keinem Sohn die Rede. Wahrscheinlich arbeitete an dieser Orgel Benedict Bühler von «Emhof», Lehrling bei Johannes Michael Bühler im Jahre 1745. Vielleicht ein Neffe?
In den Zunftbücher in Konstanz ist nie die Rede von einem Johannes Baptist Basilius… Auch nichts in den Tauf-, Ehe-, Todesmatrikeln. Nichts im Zensus…
[7] Die Akkorde umfassen meist nur die Herstellung, den Aufbau und die Intonation des Instrumentes, manchmal nicht einmal das Gehäuse und nie die prägenden Bildhauer- und Schnitzarbeiten. Der Orgelbauer liefert für diese Arbeiten das Prospekt-Konzept. Dies gilt für alle Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. Die Bildhauer und Kunstschreiner bleiben fast immer unbekannt.
[8] Heute wird die alte Pfarrgemeinde, die fünf Kilometer von Markdorf entfernt ist, als Stadtteil von Markdorf aufgeführt.
[9] Die Orgel soll an der Chornordwand gestanden haben (Manecke und Vogl 2014). Wo aber im schmalen gotischen Chor ein derart grosses Instrument Platz gefunden hätte, bleibt offen. Die Mönch-Orgel von 1903, der neugotische Nachfolgebau der Bühler-Orgel steht auf der Empore.
[10] Gottfried Maucher (1737–1828) aus Konstanz ist noch 1768 im Akkord von St. Gallus in Bregenz als Vertreter von Joseph Gabler aufgeführt. Beim Tod von Gabler 1771 ist er bereits selbständig. Siehe dazu https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Gabler.html.
[11] Das auschliesslich deutschem Adel vorbehaltene Domkapitel des Fürstbistums Basel residiert in Arlesheim, der Fürstbischof Joseph Wilhelm Rinck von Baldenstein aber in Pruntrut (Porrentruy). Domdekan Beat Anton Münch von Münchenstein, (1694–1759) genannt Löwenberg, ist auch Domherr in Konstanz. Dies könnte den Beizug Bühlers nach Arlesheim erklären.
[12] Das Städtchen zählt zu dieser Zeit knapp 900 Einwohner. Die Kirche Saint-Marcel ist auch Kollegiatskirche des nach der Reformation nach Delémont geflüchteten Kapitels von Moutier-Grandval. Kollator ist der Bischof von Basel. Siehe https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002938/2020-06-15/.
[13] Die Kirche wird 1763 geweiht. Die Rocaille-Schnitzereien sind den Altären und Stuckaturen von Johann Anton Feuchtmayer von 1755/58 verwandt. Die übliche Orgelliteratur ist nur am Instrument interessiert. Dieses [I/P/6] wird 1980 neu gebaut. Hat vielleicht Bühler jun. das Instrument seines Vaters 1775 revidiert? Unsorgfältig mit Orgeldaten geht aber auch die Kunsthistorik um. So verwechselt Dagmar Zimdars 1997 im Dehio Handbuch die Orgel von St. Georg in Ertingen mit derjenigen der Marienkapelle.
[14] Der Musikwissenschaftler Hans Musch vermutet allerdings in «Orgelgeschichte der Münsterpfarrei Villingen» eine seitenverkehrte Vertauschung der 16-Zoll–Felder bei Neuaufbau 1817. Die Fotografie zeigt die Orgel vor dem Abbruch 1909 im 7,8 m breiten Mittelschiff mit einer Breite von ca. 4,5 m, anstelle der 1816 genannten ca. 3,6 m.
[16] Er schreibt sich nun in französischer Art «Mooser».
[17] An der Orgel müssen schon nach dem Gewölbeeinbau 1679 massive Veränderungen stattgefunden haben. Aus dem 16. Jahrhundert stammt nur die dreiteilige Mitte. In der Orgelgeschichte des Münsters scheint das 17. und 18. Jahrhundert leider kaum zu existieren.
Die quellenbelegte Orgelwiederherstellung 1763 durch Bühler wird von Heribert Reiners (1955) nicht erwähnt, dafür meldet er 1776 eine Wiederherstellung durch Gottfried Maucher. Quellenmässig ist in diesem Jahr aber nur eine «neu verfertigte Orgel eines fremden Orgelmachers» auf der Epistelseite vermerkt.
[18] Michael Grüber in: Orgelbauer Johann Georg Aichgasser (1701–1767), Leben und Werk (Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 23-110 1987).
[19] Kondukte sind bei mechanischer Traktur die Rohrverbindungen der einzelnen Prospektpfeifen, welche nicht auf der Windlade stehen.
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Der Konstanzer Orgelbauer Johann Michael Bühler ist im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts mit grossen Orgelwerken in der Bodensee- und Hochrheinregion vertreten. Seine Lebensdaten sind kaum erforscht. Einige wenige Orgelprospekte zeugen noch heute von seinem umfangreichen Wirken. Dazu zählt der unverändert erhaltene Prospekt der grossen Orgel in der ehemaligen Stiftskirche St. Georg in Isny (1745). Weitere grosse Prospekte in Altshausen, Säckingen, Delémont und Fribourg sind verändert erhalten. Zu den vollständig erhaltenen Prospekten zählt auch derjenige in der Kirche von Hilzingen, deren Orgel neu dem Konstanzer Orgelbauer zugeschrieben wird.

| Geburtsdatum | Geburtsort | |
| 1697 | Lochau bei Bregenz | |
| Land 18. Jahrhundert | ||
| Vorderösterreich | ||
| Sterbedatum | Sterbeort | |
| 1765 | Konstanz | |
| Land 18. Jahrhundert | ||
| Vorderösterreich |
| Land (heute) |
| Vorarlberg A |
| Bistum 18. Jahrhundert |
| Konstanz |
| Land (heute) |
| Baden-Württemberg D |
| Bistum 18. Jahrhundert |
| Konstanz |