Joseph Gabler (1700–1771)

Orgelbauer aus Ochsenhausen

Werdegang und Familie

Joseph Gabler wird am 6. Juli 1700 im Klosterdorf Ochsenhausen als Sohn der Eheleute Johann Gabler und Anna Schmidt geboren. Die Eltern stammen aus Betzigau bei Kempten. Sie sind seit 1697 Hausbesitzer in Ochsenhausen. Der Vater ist Zimmermann. Joseph macht in der Schreinerei des Benediktinerklosters die Lehre, die er 1718 beendet. Die anschliessende Gesellenwanderung führt ihn nach Mainz. Dort heiratet er am 7. Februar 1729 Agnes Hiller. Sie ist Witwe des 1726 verstorbenen Johann Eberhard Ziegenhorn, der 1720 die kurmainzische Hofzimmerwerkstatt des Vaters Anton Ziegenhorn übernommen hat und 1726 mit 39 Jahren stirbt. Die Nachweise einer Tätigkeit Gablers in der Werkstatt Ziegenhorn in Mainz vor 1729 fehlen zwar, die Einheirat in eine Mainzer Werkstatt scheint aber plausibel, vor allem wenn diese hofbefreit ist.[1] Allerdings arbeitet Gabler längst nicht mehr ausschliesslich als Kunstschreiner, sondern hat sich in Mainz bei einem der führenden Mainzer Orgelbauer auch in die Orgelbaukunst eingearbeitet. Wahrscheinlich ist dies der Orgelbauer Johann Jakob Dahm,[2] der 1727 stirbt. Diese Vermutung wird durch die Bewerbung Gablers für die Nachfolge Dahms als mainzischer Domkapitelorgelbauer gestützt. Er unterstreicht in der Eingabe seine achtjährige praktizierende Tätigkeit als Orgelmacher in Mainz, unterliegt aber dem bekannten Orgelbauer Johannes Kohlhaas d. Ä.[3]
Als Gabler im Sommer 1729 für den Neubau der Westorgel nach Ochsenhausen zieht, begleitet ihn die schwangere Ehefrau. Vier Kinder werden bis 1733 im Klosterdorf geboren, das fünfte 1736 in Mainz, wohin Gabler ein Jahr vorher wieder gezogen ist. Hier bleibt er zwei Jahre, um dann im Sommer 1737 in Weingarten Wohnsitz zu nehmen, wo die Abtei auf dem Martinsberg für seine Familie eine «bequäme» Wohnung einrichtet. Vor allem der Ehefrau scheint der erneute Wegzug von Mainz schwer zu fallen.[4] Von den vier Kleinkindern, die mit der Familie nach Weingarten ziehen, erreichen vermutlich alle das Erwachsenenalter.[5] Aber nur vom viertgeborenen Franz Xaver Anton ist bekannt, dass er bei späteren Orgelbauten des Vaters mitwirkt.

Ochsenhausen

1729–1734: Neubau der Westorgel

Während seiner ersten Mainzer Zeit hat Gabler den Kontakt zur Reichsabtei Ochsenhausen nicht abgebrochen. Er muss, vielleicht durch die Eltern, vom laufenden Kirchenumbau in Ochsenhausen gehört und sich beim Abt Coelestin Frener[6] ach der Absage des Mainzer Domkapitels in Erinnerung gerufen haben. Anders ist der Arbeitsakkord, den der Abt 1728 mit Gabler schliesst, nicht zu erklären.[7] Gabler beginnt mit den Arbeiten in Ochsenhausen frühestens im Sommer 1729.[8]
Der ursprünglich vereinbarte Umbau der Orgel in Ochsenhausen entwickelt sich zu einem eigentlichen Neubau. 1730 und 1731 arbeitet Gabler zudem am Umbau der Chororgel von Weingarten. Die Orgel von Ochsenhausen kann am 3. Mai 1734 eingeweiht werden. Gablers Erstlingswerk ist in Mechanik und Windversorgung ein kühner Entwurf. Er baut trotz seiner noch mangelnden Erfahrung ein technisch wie klanglich genial erdachtes Instrument. Bewundert wird Gabler vor allem für seinen Orgelprospekt, der nach seinem Entwurf zweigeteilt gebaut wird. Ein Kronpositiv über dem Westfenster verbindet die beiden Teile zu einer Einheit. Zum Prospekt siehe im Werkverzeichnis mehr. Die Abtei vergütet 1736 dem inzwischen wieder in Mainz wohnhaften Orgelbauer die letzte Rate von insgesamt 4698 Gulden.[9]

1751–1753: Umbau der Westorgel

1751 schliesst Gabler, nun mit Abt Benedikt Denzel,[10] einen neuen Akkord für den ersten Umbau der Orgel, der einen Austausch vieler alter, noch von der Vorgängerorgel übernommenen Register und, als auffälligstes Merkmal, die Errichtung eines freistehenden Spieltisches vorsieht. Gabler wird diese Neuerung, die schon Anfang des Jahrhunderts in Böhmen bekannt ist, später für alle seine grösseren Orgeln anwenden. Das Orgelwerk ist seit der letzten Restaurierung von 2004 mit vier Manualen und 49 Registern wieder im Zustand von 1755. Bis in dieses Jahr ist Gabler noch an Zusatzarbeiten in Ochsenhausen nachgewiesen.

Weingarten

1730–1731 und 1739–1743: Um- und Neubau der Chororgel

Noch während der Arbeiten an der grossen Orgel von Ochsenhausen wird Gabler in die Reichsabtei Weingarten gerufen. Abt Alfons II. Jobst[11] überträgt ihm den Umbau der Chororgel. Sie ist ein erst wenige Jahre alter Neubau (I/P/14), 1722–1724 von Joseph Bossart[12] aus Baar in der Schweiz gebaut. Sie steht als Truhenorgel mitten im Chor, leidet aber unter der aufsteigenden Bodenfeuchte. Gabler beginnt am 9. Juli 1730 mit drei Gesellen an der Orgelreparatur und beendet sie Anfang 1731. Seine Arbeiten werden mit 426 Gulden entschädigt.
Die Truhenorgel in Chormitte bereitet aber wegen der Feuchte weiterhin Probleme. Im Akkord der Hauptorgel von 1737 wird deshalb auch ein Neubau der Chororgel vereinbart. Sie muss nun aus der Chormitte entfernt werden. Zwei Prospekte sollen auf die beiden Dorsalwände des Chorgestühls aufgebaut werden, das zum grossen Teil aus der Mimmenhausener Werkstatt des Joseph Anton Feuchtmayer[13] stammt und dessen Dorsalwände bis 1724 fertiggestellt worden sind. Gabler beginnt mit diesem Orgelwerk 1739. Die beiden siebenteiligen Prospekte über den Dorsal-Balustraden sind Werke des Klosterschreiners Joseph Koch. Spieltisch und Orgelwerk befinden sich auf der Nordseite, der Prospekt der Südseite mit den Pfeifen des Choralbasses wird durch einen 20 Meter langen Trakturkanal mechanisch angesteuert. Vermutlich hat die Gabler-Orgel 22 Register (II/P/22). Sein Orgelwerk geht im 19. Jahrhundert durch mehrfache Umbauten verloren. 2012 wird durch Späth, Freiburg ein neues Werk (III/P/51) eingebaut. Die hervorragend in das Chorgestühl eingepassten Prospekt-Aufsätze sind aber erhalten.

1737-1750: Neubau der grossen Orgel auf der Westempore

Der Akkord vom 6. Juli 1737
Seit der Reparatur der Chororgel und der Einweihung der Orgel in Ochsenhausen ist Gabler als Orgelbauer auch in Weingarten ein Begriff. Am 6. Juli 1737 schliesst Abt Alphons Jobst in Weingarten einen Akkord mit Joseph Gabler über die Herstellung eines neuen Orgelwerkes. Er erhält zusätzlich zur Wohnung Kostgeld oder Speis und Trank für 150 Gulden jährlich. Die Orgelmachergesellen werden, sofern nicht in Altdorf[14] wohnhaft, am Nachtisch der Abtei verpflegt und erhalten im Kloster Liegestatt. Für alle zum Bau der Orgel notwendigen Materialien und auch für die Herstellung des Prospektes kommt das Kloster auf. Erst unter den weiteren Punkten wird im Akkord das Orgelwerk detailliert beschrieben. Es soll vier Manuale, Pedal und 60 Register umfassen. Für diese 60 Register werden 6000 Gulden vereinbart. In dieser Summe ist auch der Neubau der Chororgel inbegriffen. Die Hälfte der Summe, 3000 Gulden, soll ein Jahr nach der Fertigstellung zurückgehalten werden. Die Werkgarantie wird mit sechs Jahren vereinbart.
Der Akkord ist eine Mischung von Taglohn- und Pauschalvertrag. Damit sind erwartete Änderungen an Disposition und Prospekt abgesichert. Tatsächlich wird dann der Akkord während der Bauzeit noch viermal neu verhandelt.

Der Neubau 1737–1750
Die Bauzeit der grossen Orgel dauert mit 14 Jahren ungewöhnlich lange. Für Gabler wird sie zu einer grossen wirtschaftlichen und menschlichen Belastung. Mehrere Ereignisse sind dafür verantwortlich. So ist die Klosterschreinerei mit dem Bau des Gehäuses wegen unvorhergesehenen dringenderen Arbeiten im Rückstand.[15] Gabler verzögert das Werk auch mit eigenen Korrekturen, für die dann die Abtei finanziell aufkommen muss. Er unterschätzt den grossen Kirchenraum, die Orgel kann nicht die nötige Klangkraft entfalten. Deshalb besetzt er wichtige Register mit der doppelten bis vierfachen Pfeifenzahl pro Ton und baut die Mixturen (gemischte Stimmen) zur Verstärkung der Klangkraft zehn- bis zwölffach. Dazu gesellen sich Schwierigkeiten mit der Windversorgung. Die Kosten belaufen sich am Ende für die Emporen- und Chororgel, ohne die grossen Eigenleistungen des Klosters (Kost und Logis, Schreinerei, Bildhauer, Fassmaler), auf 26 895 Gulden.[6]
Als die Orgel am 24. Juni 1750 dem Konvent zum Gebrauch übergeben wird, sind die enormen Kosten und Schwierigkeiten der Bauzeit vergessen. Die grosse Orgel von Weingarten wird, wie Gabler später selbst schreibt, «von jedermann als ein ausserordentliches Kunststück, so in ganz Schwaben seinesgleichen nicht haben mag, bewundert». Die Bewunderung gilt dem Orgelprospekt und dem Orgelwerk gleichermassen. Schon 1751 reist der französische Orgelbautheoretiker Dom Bédos de Celles nach Weingarten. Er veröffentlicht die Beschreibung der Gablerorgel im zweiten Band seines vierbändigen Standardwerkes über die Kunst des Orgelbauers. Die perspektivische Ansicht des Prospektes auf Tafel 77 wird noch heute als einzige Plandarstellung der berühmten Orgel veröffentlicht.[17]
Der Prospekt, eine Synthese von Orgel (IV/P/63)[18] und Raumarchitektur zu einem Gesamtkunstwerk, ist nach dem Entwurf Gablers ausgeführt. Der Prospekt fügt sich, konvex zum Innenraum geöffnet, in die Rundung der Westfront ein und zeichnet sich durch die Gruppierung des Pfeifenwerks um die sechs Fenster dieser Fassade aus. Mehr dazu siehe in der Werkliste.  

1737-1750: Arbeiten ausserhalb Weingartens

1745–1749: Arbeiten in Ravensburg
Die Verzögerungen Gablers beim Orgelbau in Weingarten führen Ende 1744 zur Einstellung der Zahlungen an Gabler. Er sucht deshalb nach Aufträgen ausserhalb der Klosterherrschaft. Schon 1745 nimmt er den Auftrag der Stadt Ravensburg für den Umbau der Orgel in der evangelischen Langhauskirche an.
1747–1749 erweitert er, auch hier mit grosser Verzögerung der Arbeiten, die Orgel der Liebfrauenkirche. Im Ratsprotokoll ist von einem Neubau die Rede. Für den Bau des Prospektgehäuses, den plastischen Schmuck und der Fassung zieht der Rat Joachim Früholz bei, den Bildhauer der grossen Weingartener Orgel. Die Liebfrauenorgel wird 1862 zerstört.
In den gleichen Jahren ist Gabler auch für den Bau der Emporenorgel der Michaelskapelle im Franziskanerinnen-Kloster tätig. Diese Orgel wird durch den damals in Kisslegg ansässigen Orgelbauer Franz Anton Kiene 1812 in Hasenweiler bei Ravensburg neu aufgebaut und erweitert. Orgelwerk und Prospekt werden 1996 neu gebaut.
1750: Arbeiten in Buchhorn und im Priorat Hofen (seit 1811 Schlosskirche Friedrichshafen)[19]
Gabler wird 1750 für die «Verfertigung» einer Orgel in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Buchhorn bezahlt. Die Orgel wird 1845 erweitert und 1944 zerstört.
1750/51 ist Gabler auch für die Prioratskirche Hofen der Abtei Weingarten zuständig. Hier wird die Orgel des Augsburgers Christoph Leu d. A. (II/P/20) von 1702 umgebaut. Die Arbeiten werden aber nicht von ihm ausgeführt. Die Orgel kommt 1817 nach Tuttlingen und ist heute zerstört.


Zwiefalten

1752–1755: Neubau der Chororgel im Marienmünster

Als Abt Benedikt Mauz[20] von Zwiefalten 1744 die Regierung antritt, ist der Neubau des Marienmünsters schon weit fortgeschritten. Der Abt nimmt aber sofort Einfluss auf die kommende Gestaltung des Rokoko-Innenraums. Er überträgt den Neubau des Chorgestühls dem begnadeten Bildhauer Johann Joseph Christian[21] aus Riedlingen, der es ab 1747 mit dem Schreiner Martin Hörmann aus Villingen einbaut. 1752 ist es fertiggestellt. Schon vorher erhält Gabler den Auftrag zum Neubau der Chororgel, deren Prospekte ähnlich derjenigen von Weingarten symmetrisch beidseits des Chors auf dem Chorgestühl stehen sollen. Die Orgel müsste 1752 geliefert werden. In diesem Jahr beginnt Gabler aber erst mit der Arbeit. Weitere Verzögerungen bewegen den Abt, für die Fertigstellung Johann Andreas Silbermann[22] anzufragen. Dieser besucht zwar 1753 die Baustelle, lehnt aber die Fortsetzung der Arbeiten ab. Die Ablehnung durch Silbermann erfolgt vor allem wegen der zweigeteilten Anlage mit dem Spieltisch mitten im Chor, deren komplizierte Mechanik der versierte Elsässer Orgelbauer lieber dem wagemutigen Gabler überlässt. Erstmals bedient nämlich in Zwiefalten ein Spieltisch mit mechanischer Traktur beide getrennten Orgelwerke aus der Mitte des Chors. 1755 kann das Gabler-Orgelwerk (II/P/23) eingeweiht werden.
1814 erfolgt die Verlegung der Gabler-Chororgel mit Spieltisch und Prospekten anstelle der dort abgebrochenen Hauptorgel (diese hat König Friedrich I. 1807 abbrechen lassen) auf die Westempore.
Die Prospekte sind seit ihrer Rückversetzung 1956 wieder am alten Standort über der Mitte des Chorgestühls. Auch der Gabler-Spieltisch steht wieder am alten Standort in der Mitte des Chors. Seine Einrichtung und auch das Orgelwerk Gablers fallen jedoch 1956 «einem unverzeihlichen Ignorantentum» (Johannes Mayr) zum Opfer. Die historische Mechanik ist seither durch eine elektrische Traktur ersetzt.

Maria Steinbach

1755–1756: Neubau der Orgel auf der Westempore in der Wallfahrtskirche

Die Wallfahrtskirche Maria Steinbach an der Iller wird 1749–1755 neu gebaut. Sie ist eine Kirche der Prämonstratenserabtei Rot an der Rot. Planer und Bauleiter ist Pater Benedikt Stadelhofer von Rot an der Rot. Der ebenfalls an der Planung beteiligte Abt von Rot, Ignatius Vetter, stirbt im Januar 1755. Anzunehmen ist deshalb, dass sein Nachfolger, Abt Ambrosius Guggenmos, den Auftrag an Gabler erteilt.[23] Der Orgelbauer, der schon 1733 eine neue, kleinere Orgel in die Vorgängerkirche geliefert hat, baut die neue grosse Orgel 1756. Gabler nennt selbst dieses Datum.[24] Schon am 3. und 4. Juli können sich Patres, Musiker und Kunsthandwerker durch Einritzungen in die Zinnpfeifen verewigen.
Heute ist nur noch das zweigeteilte, in die Tiefe gegliederte Prospektgehäuse und auch der freistehende Spieltisch erhalten. Die Tiefenstaffelung, bedingt durch die seitlichen Begrenzungen, lässt den Prospekt gegen das Kirchenschiff leider nicht zur verdienten Wirkung kommen. Mehr dazu siehe im Werkverzeichnis.

1757–1758: Weitere Arbeiten für die Abtei Rot an der Rot

Zahlungen belegen die Lieferung einer kleineren Orgel durch Joseph Gabler für die Bruderschaftskirche St. Johann in Rot an der Rot.[25] Die Bruderschaftskirche wird von der Abtei Rot an der Rot 1737-1745 gebaut. Bauleiter ist P. Benedikt Stadelhofer, der dann auch den Neubau in Maria Steinbach leitet. Gabler scheint auch, wie weitere Zahlungen 1757/58 belegen, an den Orgeln der Abteikirche gearbeitet zu haben.[26]

Memmingen

1758–1759: Instandsetzung des Orgelwerks der Stadtpfarrkirche St. Martin

Vom Rat der Reichsstadt Memmingen erhält Gabler den Auftrag, für 400 Gulden die Orgel von St. Martin innerhalb von fünf Monaten instand zu setzen. Akkordsumme und Zeitdauer basieren auf einer Offerte Gablers, der zu diesem Zeitpunkt bei seiner inzwischen verheirateten Tochter in Biberach wohnt. Er muss zu diesem Betrag auch zwei «Örglein» der Lateinschule und des Collegiums Musicum reparieren. Wie in Weingarten und Zweifalten überschreitet Gabler den Zeitaufwand . Auch die Kosten erreichen doppelte Höhe. Der Rat stellt ihm aber trotzdem ein gutes Zeugnis aus. Gabler erhält zu Begleichung seiner Schulden sogar ein Zuschuss von 250 Gulden.

1760–1763: Mittellos in Memmingen

Gabler steckt schon seit 1745 in finanziellen Schwierigkeiten. Der Umgang mit Geld gehört nicht zu seinen Stärken. Die notorischen Verzögerungen der Ausführungen sind sicher in erster Linie seinem Hang zum Perfektionismus und neuen Tüfteleien zu verdanken. Die Schulden verleiten ihn aber auch zur Verwendung der Anzahlungen auf neue Orgelwerke für die Tilgung alter Schulden und nicht für die Materialbeschaffung. Gleichzeitig verzögert er den vereinbarten Arbeitsbeginn mit der Annahme neuer Aufträge. So in Zwiefalten 1752/55. Kein Wunder, dass nach 1755 die Äbte bei Orgel-Grossprojekten wie in Salem oder Ottobeuren lieber mit anderen Orgelbauern zusammenarbeiten.
1760 gibt Gabler in Memmingen zu Protokoll, dass er die Steuern nicht bezahlen kann. Nun will der Stadtrat, dass er und die Familie[27] die Stadt verlassenund erstattet ihm dazu ein «Douceur» von 30 Gulden. Gabler verlässt die Stadt aber nicht und versucht, sich mit Kleinaufträgen über Wasser zu halten. In diese Periode fällt auch die Bewerbung für die Stadtpfarrkirche St. Laurenzen in St. Gallen, die er zusammen mit dem früheren Mitarbeiter Joseph Laubekh[28] 1761 einreicht. Ihr Entwurf wird vom Orgelbauer Bommer aus Lommis im Thurgau für den Neubau übernommen, Gabler und Laubekh gehen leer aus.
1762 stellt der Rat von Memmingen ein Ultimatum: Gabler solle sich innert vier Wochen nach bezahlten Schulden aus der Stadt begeben. Er hält sich aber noch im März 1763 in Memmingen auf und zieht dann für kurze Zeit zu seiner verheirateten Tochter nach Biberach.

Ravensburg

1763–1766: Arbeiten in den evangelischen Kirchen

In der kleinen Reichsstadt Ravensburg leben im 18. Jahrhundert Protestanten und Katholiken ohne grössere Probleme zusammen. Zwei der vier Pfarrkirchen sind evangelisch. Die «untere» Pfarrkirche zur Hl. Dreifaltigkeit wird als evangelisches Gotteshaus 1628 gebaut. Die «obere» evangelische Kirche ist das Langhaus der Karmeliter-Klosterkirche. Weil heute die «untere» evangelische Pfarrkirche abgebrochen ist und die «obere», nach der Aufhebung des Karmeliterklosters, seit 1811 zu ganzen Teilen als einzige evangelische Kirche dient, sind diese Vorbemerkungen zum kirchlichen Zustand von 1763 notwendig. Weil auch die «obere» Kirche 1856 neugotisch verändert wird, sind von den Barock-Orgeln beider Kirchen keine Relikte und auch keine Ansichten mehr vorhanden.
Am 3. Mai 1763 wird ein Akkord von 600 Gulden für die Erneuerung der Orgel in der «unteren» Dreifaltigkeitskirche mit Gabler vereinbart. Der Orgelbauer zieht im Juni nach Ravensburg. Im Juli wird der Akkord um 240 Gulden erhöht und neu verfasst. Nun muss die grössere Orgel der Dreifaltigkeitskirche mit der kleineren im Langhaus der Karmeliterkirche vertauscht werden. 1766 sind beide Orgeln fertiggestellt. Gabler, der auch für Material und Kost und Logis aufkommen muss, hat 2490 Gulden erhalten. 1767 hält sich der Orgelbauer noch in Ravensburg auf.

Bregenz

1768–1771: Neubau der Hauptorgel in der Stadtpfarrkirche St. Gallus

Gabler erhält im März 1768 erneut einen grösseren Auftrag. Er vereinbart mit dem Rat der vorderösterreichischen Stadt Bregenz einen Orgelneubau (II/P/18) und die Sanierung des Chorpositivs zum Pauschalpreis von 2000 Gulden. Im Akkord wird für den Fall, dass der 68-jährige Gabler die Orgel nicht mehr vollenden könnte, zum Nachfolger sein Schüler Gottfried Maucher[29] bestimmt. Vor Beginn des Neubaus versucht Gabler noch bis 1769, das Prospektgehäuse der Liebfrauenorgel von Salem zu erwerben, muss aber auf Druck des Rates davon absehen.[30] 1771 ist der Prospekt mit einem Brüstungspositiv nach seinem Entwurf erstellt.[31] Zum Prospekt siehe mehr im Werkverzeichnis.
Im September werden vom Rat dem wieder mittellosen Gabler wöchentlich fünf Gulden für den notwendigen Lebensunterhalt gewährt. Dies, weil er seit 1770 keine Akontozahlungen mehr erhält. Denn auf Anweisung des Rates werden die eingehenden Rechnungen von Gabler nur noch visiert, um dann die aufgelaufene Summe in seiner Schlussabrechnung abzuziehen. Weil aber auch der Bregenzer Rat mit dem Werk zufrieden ist, wird dem Orgelbauer der Zusatzverdienst gewährt.

8. November 1771: Gablers Tod in Bregenz

Zur Schlussabrechnung mit Gabler kommt es nicht mehr. Der Orgelbauer stirbt am 8. November mit 71 Jahren an einem Schlaganfall . Er wird in Bregenz begraben. Der Schwiegersohn Gablers in Biberach erklärt sich zur Annahme des Erbes und damit auch zur Übernahme der Schulden bereit. Die Vollendung der noch nicht ganz fertiggestellten Hauptorgel wird dem Gesellen Johann Friedrich Scharff[32] anvertraut, der die Orgel im Mai 1772 zur Intonation frei gibt. Offenbar arbeitet der im Akkord genannte Nachfolger Gottfried Maucher bereits an anderer Stelle.


Zusammenfassung

Wie viele Künstler der Barockzeit hat auch Gabler selbst keine Hinweise zu seinem Leben hinterlassen. Nur 1758 erwähnt er in einer Bewerbung seine bisherigen Orgeln in Ochsenhausen, Weingarten, Zwiefalten und Maria Steinbach. Diese vier Orgeln sind gleichzeitig auch seine wichtigsten Werke. Von allen Orgeln, die er bis zu seinem Tod gebaut hat, sind nur noch in den grossen Orgeln von Ochsenhausen und Weingarten die Werke vorhanden. Geblieben sind manchmal die Prospekte, so im Chor von Zwiefalten und Weingarten, in Maria Steinbach und in Bregenz. Gabler ist zwar als Orgelbauer Entwerfer der Prospekte, ihr Bau und vor allem ihre Bildhauerarbeiten[33] sind aber Drittarbeiten. Doch vor allem seine ersten Prospekte zeugen von einer grossen Innovationskraft und erregen in der Fachwelt und in den Abteien grosses Aufsehen. Weingarten ist sein kühnster Entwurf und wird sein Hauptwerk. Hier ist auch die Technik noch vorhanden, die mit einer verästelten mechanischen Trakturführung alle Teile der Orgel erreicht. Mit seiner zweigeteilten Chororgel in Zwiefalten ist Gabler trotz der hohen technischen Anforderungen ein Vorbild für viele derartige Werke des 18. Jahrhunderts in Süddeutschland und der Schweiz.
Dass dieser hervorragende Orgelbauer ab 1755 bei Bewerbungen für die neuen grossen Orgeln der süddeutschen Abteien nicht mehr berücksichtigt wird, liegt an seiner Arbeitsweise. Verzögerungen und Nachforderungen sind bei ihm die Regel. Dies spricht sich herum. Seit 1745 hat er zudem die Gläubiger im Nacken. Er scheint einem gepflegten Lebensstil zu huldigen und beschäftigt im Zweipersonen-Haushalt von 1766 noch immer eine Magd. Die vielen Schulden sind aber nicht nur mit diesem barocken Standesverständnis zu erklären. Ihm scheinen ganz einfach die finanziellen Überbrückungen zwischen den oft weit auseinanderliegenden Aufträgen nicht zu gelingen.

Literatur

Dressler, Ottmar: Die grosse Orgel in der ehemaligen Klosterkirche zu Weingarten, in: Caecilien Kalender, Regensburg 1876.
Anmerkung: Der erste Aufsatz, der die Baugeschichte und das weitere Schicksal der Weingartner Orgeln mit Auswertung archivalischer Quellen beschreibt und erstmals auch auf das Leben Gablers eingeht.
Jakob, Friedrich: Die grosse Orgel der Basilika zu Weingarten (Geschichte und Restaurierung der Gabler-Orgel). Männedorf 1986.
Anmerkung: Ausführliche Beschreibung der Gabler-Orgel und ihrer Restaurierung, mit Plänen und mit Beilagen der Originalquellen.
Spahr, P. Gebhard OSB: Joseph Gabler, Orgelbauer schwäbischer Benediktinerkirchen, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Heft 91, Friedrichshafen 1973.
Anmerkung: Der Autor schildert anschaulich den Lebenslauf Gablers anhand der bekannten Werke, übernimmt aber auch Fehler der Vorgängerliteratur.
Mayr, Johannes: Joseph Gabler, Orgelmacher. Biberach 2000.
Umfangreiche und vorbildlich quellenbasierte Dokumentation zum Leben und zu den bekannten Werken Anmerkung: Joseph Gablers. Diese erste eigentliche Biografie Gablers räumt auch mit vielen Fehlern der Vorgängerliteratur auf. Mit Quellenanhang und einem Glossar orgeltechnischer Begriffe.

 

Web
Webseite der Wikipedia zu den Orgeln in Weingarten: https://de.wikipedia.org/wiki/Orgeln_der_Basilika_St._Martin_(Weingarten)
Webseite der Wikipedia zum Orgelbauer Gabler: https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Gabler


Anmerkungen

[1] Die «Allgemeine Deutschen Biografie» (1878) bezeichnet den Hofzimmermeister Ziegenhorn als Orgelbauer, was sicher falsch ist. Eine vollständig freie Erfindung kann aber selbst der Artikel in der AGB 1878 nicht sein. Er lautet: «Als Schreinergeselle die Welt durchwandernd, kam er auch nach Mainz. Hier trat er bei dem Orgelbauer Johann Eberhard Ziegenhorn in Arbeit und benutzte diese Gelegenheit, sich zum perfecten Orgelbaumeister auszubilden. Nach Ziegenhorn’s Tode (1726) führte er dessen Geschäft fort, heirathete 1729 seine hinterlassene Wittwe, Agnes geb. Hiller, und kehrte mit ihr nach Ochsenhausen zurück».

[2] Johann Jakob Dahm (1659–1727) aus Weibern bei Kempenich. Zu ihm siehe die Wikipedia.

[3] Johannes Kohlhaas der Ältere (1691-1757) aus Kiedrich. Zu ihm siehe die Wikipedia.

[4] Ein Schreiben Gablers um 1736 überliefet Gebhard Spahr (1973) wie folgt: «Schon längst ist es mein grösstes Vergnügen gewesen, mich in Weingarten niederzulassen. Gerne ziehe ich von Mainz weg, wie der Loth, welcher Sodoma und Gomorrha mit dem Rücken angesehen, welches meiner Frau zwar hart fallen dürfte». Damit dürften auch Spekulationen um die Herkunft der Ehefrau aus dem Bodenseeraum widerlegt sein.

[5] Die Kinder Gablers 1729–1736:
Franz Fidel Innozenz (1729–1732); Johann Georg Joseph (1730–n.1742); Anna Margaretha (1732–1778); Franz Xaver Anton (1733–n.1759); Anton Michael (1736–1762). Der letztgenannte Sohn leistet 1758 in der Abtei Ottobeuren Profess.

[6] Coelestin Frener (1634–1737), Abt in Ochsenhausen 1725–1737. Der Bauprälat beginnt 1726 mit dem Umbau der Klosterkirche. Mehr zu ihm in der Biografie dieser Webseite.

[7] Der in Ochsenhausen unterschriebene Akkord ist verschollen. Er würde, wie alle Arbeitsverträge, viel über das erste bekannte Orgelwerk Gablers aussagen. Eine Orgel von vier Manualen und 49 Registern soll darin umschrieben sein. Gabler muss 14 Register von der Vorgängerorgel übernehmen. Wie anschliessend auch in Weingarten, wird kein Pauschalakkord abgeschlossen. Die Abtei zahlt zwar pro Register 100 Gulden als Arbeitslohn, kommt aber für alle weiteren Kosten auf.

[8] Das Datum 1729 wird allgemein als Beginn der Arbeiten aufgeführt. Es kann sich noch nicht um den Aufbau auf der Empore handeln, weil das Innenraumklima mit den gleichzeitigen Stuck-und Freskenarbeiten dies nicht erlaubt hätte. Die ältere Darstellung der Ehefrau als Witwe von Ziegenhorn dürfte richtig sein. Sie wäre damit 1726 auch formell zur Weiterführung der Werkstatt berechtigt. Bleibt sie deswegen in Mainz?

[9] Für die Summe von 4698 Gulden muss Gabler nur die Gesellen entschädigen. Materialkosten, Kost und Logis, auch das Prospektgehäuse samt den Bildhauerarbeiten gehen zu Lasten des Klosters. Gabler schreibt 1758 von 15 000 Gulden Gesamtkosten für den Orgelbau. Diese Angabe könnte allerdings die Gesamtkosten nach dem Umbau von 1751–1753 betreffen. Gabler erhält für diesen Umbau weitere 800 Gulden Arbeitslohn.
Vergleiche der Entschädigungen mit anderen Orgelbauern sind schwierig, weil die damaligen Baukosten einer Orgel kaum je erfasst werden. Bei Pauschalakkorden oder vorhandenen Schlussabrechnungen kann wenigstens der Gesamtpreis einer neuen Orgel verglichen werden. Verglichen mit den untenstehenden Beispielen scheinen die von Gabler genannten Kosten von 15 000 Gulden für die Orgelgrösse und den Innovationen durchaus im Rahmen zu liegen.
Beispiele:
1711 Akkord mit Johann Christoph Leu aus Augsburg für die Hauptorgel mit Kron- und Rückpositiv (III/P/30) in Rheinau bei Schaffhausen zu 6900 Gulden, die Bildhauerarbeiten des siebenachsigen Prospektes mit drei Türmen sind im Preis inbegriffen. 1715 kostet die Orgel mit allen Klosterleistungen 9045 Gulden.
1727 zweiter Akkord mit Leonhard Gottlieb Leu aus Augsburg für die Münsterorgel in Bern (III/P/36) zu 6200 Berner Taler oder 12 400 Gulden.
Für die Leser, die sich unter dem Wert eines Guldens wenig vorstellen können, weise ich auf das damalige Jahreseinkommen der Stuckateure in Ottobeuren hin, welches 180–320 Gulden beträgt. Das Durchschnitts-Jahreseinkommen in Altbayern beträgt noch 1803 knapp 100 Gulden.

[10] Benedikt Denzel (1692-1767) aus Westerstetten bei Ulm ist 1737–1767 Abt in Ochsenhausen. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[11] Alfons Jobst (1684–1738) aus Nürnberg ist 1730–1738 Abt in Weingarten. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[12] Joseph Bossart (1665–1748) aus Baar bei Zug ist Begründer einer Orgelbauerdynastie. Er ist Schöpfer der grossen Orgel (III/P/40) in der luzernischen Zisterzienserabtei St. Urban (1716/21), wo er auch eine Chororgel als Truhenorgel mitten in den Chor stellt. Die Weingartener Chororgel wird bei Bossart noch während des Kirchenneubaus 1722 bestellt. Die mitten im Chor stehende Orgel mit 14 Registern (I/P/14) muss wie in St. Urban «in ligender formb, damit der Prospect (die Sicht) auf den Chor-Altar nit gehinderet oder vermacht werde» aufgerichtet werden. Sie ist bei der Kircheneinweihung 1724 bereits aufgestellt. Die Vergütung beträgt 730 Gulden. Die beiden Truhenorgeln von St. Urban und Weingarten sind heute verschwunden. Eine derartige, im Chor liegende Orgel, 1710 von Christoph Albrecht gebaut, steht heute noch in der Klosterkirche Rheinau bei Schaffhausen.

[13] Joseph Anton Feuchtmayer (1696–1770) aus Linz, Werkstatt in Mimmenhausen bei Salem. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite. Joseph Anton Feuchtmayer könnte auch, entgegen den bis heute repetierten Zuschreibungen an einen Simon Feuchtmayer aus Salem, bei den Chororgel-Prospekten mitgewirkt haben. Der Biograf Ulrich Knapp (1996) verweist den Entwurf zwar an die Klosterschreinerei. Sicher hat es aber damals keinen Simon Feuchtmayer gegeben.

[14] Die vorderösterreichische Stadt Altdorf liegt zu Füssen der Reichsabtei Weingarten. Die Stadt Altdorf wird 1865 in «Grosse Kreisstadt Weingarten» umbenannt.

[15] Die Klosterschreinerei muss wegen eines Brandes am 2. Dezember 1737 in Schule und Konvent umdisponieren. Auch der erst 1740 begonnene Süd- und Nordflügel des Konvent-Nordtraktes belastet die Schreinerei über Gebühr. Diese Verzögerung der Neubauten verdankt das Kloster böswilligen Klagen des kaiserlichen Statthalters für Vorderösterreich wegen angeblichen Grenzverletzungen. Die kostspieligen Prozesse in Wien sind mitverantwortlich für die Schulden der Abtei. Sie ist nach dem Kirchenneubau noch schuldenfrei, 1744 aber mit 300 000 Gulden verschuldet.

[16] Gemäss Abteibuch 1758 sind dies die Kosten «an paarem Geld» bis 1753. Gabler selbst nennt für die Hauptorgel 32 000 Gulden und für die Chororgel 11 000 Gulden. Diese Summen werden zusammen mit den Eigenleistungen der Abtei sicher erreicht.

[17] François Dom Bédos de Celles (1709–1779) aus Caux ist französischer Benediktiner, Orgelbauer und Orgelbautheoretiker. Er verfasst im Auftrag der Pariser Akademie der Wissenschaften 1766–1778 das grundlegende Werk «L’Art du facteur d’orgues». Im 2. Band, Tafel 77, ist auch der geplante Prospekt der großen Gablerorgel von Weingarten zu sehen (Decoration exterieure en perspective de l'orgue de l'abbaye de Weingarten dans la Souabe en Allemagne, fait et fini le 24 Juin 1750 par Mr. Gabler, Mtre Facteur d'orgues de la ville de Ravensbourg dans le meme pays. Josephus Gabler invenit - P. C. de la Gardette delineavit et sculpsit).
Im Atlas zum Lehrbuch der Orgelbaukunst, Weimar 1855, wird die gleiche Ansicht in Tafel 82, nun aber mit Grundrissen, wiederholt.

[18] Die 63 Register gemäss der Rückführung auf die originale Disposition von Kuhn, Männerdorf 1983.

[19] Die 1802 mediatisierte Reichsstadt Buchhorn und das Weingartener Priorat Hofen werden 1811 zur neuen württembergischen Stadt Friedrichshafen zusammengefasst. Das Priorat Hofen ist nun als Schloss Friedrichshafen Sommersitz von König Friedrich I.

[20] Benedikt Mauz (1690–1765) ist 1744–1765 Abt in Zwiefalten. Man darf ihn als eigentlichen Schöpfer des Rokoko-Innenraums der neuen Münsterkirche von Zwiefalten bezeichnen. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[21] Johann Joseph Christian (1706–1777). Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[22] Johann Andreas Silbermann (1712–1783) aus Strassburg. Zu ihm siehe die Biografie der Wikipedia.

[23] Zu den beteiligten Personen an der Ausführung von Maria Steinbach siehe den Baubeschrieb der Wallfahrtskirche in dieser Webseite.

[24] «Das Steinbachische Orgelwerkh hat 20. Register, in selben stehen 1756. pfeiffen macht die Jahr=Zahl in welchem das orgelwerkh auf gestellt und verfertigt worden, und samt allen unkösten 2000 fl. zu stehen kombt…» (in: Verzeichnis seiner Werke, Gabler am 29. Juli 1758). Das Jahr 1756 wird durch die 40-wöchige Verköstigung von Gabler und seinem Sohn am «Herrentisch mit Wein» bestätigt (die Gesellen 17 Wochen am «Herrentisch mit Bier»).

[25] Die Orgel der Bruderschaftskirche mit zehn oder elf Register wird 1830 verkauft und ist heute nicht mehr erhalten. Zum Bauwerk siehe den Beschrieb in dieser Webseite.

[26] Die beiden Orgeln des Augsburger Orgelbauers Christoph Leu (Löw) von 1688 und 1692 in der alten Abteikirche Rot an der Rot werden anlässlich des Kirchenneubaus 1777–1786 durch Orgeln von Johann Nepomuk Holzhey ersetzt.

[27] Die Familie ist inzwischen dreiköpfig: Joseph Gabler, seine Ehefrau Agnes und sein 27-jähriger Sohn Franz Xaver Anton, der mit dem Vater zusammenarbeitet. In Memmingen wird der Sohn anlässlich einer Schlägerei zum letzten Mal aktenkundig. Die Familie wohnt beim «Kostherrn» Michael Hörmann. 1767 bewirbt er sich mit seiner Ehefrau (vergeblich) für die Herrenpfründe im Biberacher Spital. Nachher ist von Agnes Gabler nichts mehr zu hören.

[28] Joseph Laubekh (1713–1770) aus Ochsenhausen. Orgelbauer. Werke: Steinhausen an der Rottum, Ziegelbach bei Wurzach, Aulendorf.

[29] Gottfried Maucher (um 1740/42–1828) ist Mitarbeiter Gablers seit 1767. Seine Herkunft, sein Geburtsdatum und sein Werdegang sind unbekannt. Nach der Tätigkeit in Bregenz wird er in Konstanz selbständig. Als vielbeschäftigter Orgelbauer ist er vor allem im Bodenseegebiet tätig. 1809 transferiert er die Riepp-Orgel von Salem nach Winterthur (siehe unten). Seit 1816 lebt er im Konstanzer Spital.

[30] Gabler versucht mit dem Kauf des Prospektes in Salem den eigenen Aufwand zu reduzieren. Die Liebfrauenorgel in Salem wird 1765/66 vom Orgelbauer Riepp neu gebaut. Sie steht seit 1809 (ohne Rückpositiv) in der Stadtpfarrkirche Winterthur. Das von Gabler gewünschte Prospektgehäuse ist 1717–1719 von Joseph Anton Feuchtmayer für die Orgel des Salzburger Orgelbauers Johann Christoph Egedacher gebaut worden (die Datierung hier laut Ulrich Knapp 1996).

[31] Das Prospektgehäuse wird gemäss den Quittungen der Bildhauer Johann Heinrich Reichart am 19. Januar 1771 beendet und bis zum 4. Januar 1771 von Maler Joachim Benedikt Garttenschmidt gefasst. Die Lebensdaten dieser am Prospekt beteiligten Kunsthandwerker aus Bregenz sind nicht bekannt.

[32] Johann Friedrich Scharff (1743-1817) aus Schaffhausen, seit 1773 Bürger von Bregenz.

[33] Vor allem Orgelfachleute betrachten die Bildschnitzerarbeiten als «Zutaten» oder «Dekorationen», ihre Schöpfer deshalb als nicht nennenswert. Wäre wirklich der Prospekt etwa in Ochsenhausen oder Weingarten ohne musizierende Engel und vergoldete Schleierbretter für sie kein Problem?




Werkverzeichnis Joseph Gabler

Jahr

Ort

Werk Joseph Gabler Veränderungen nach 1803
1729-
1734
Ochsenhausen,
Benediktinerabtei,
Abteikirche St. Georg,
Westemporen-Orgel.
Neue Orgel IV/P/47*, unter Verwendung von 14 Registern der Vorgängerorgel.
(*Registerzahl unklar)
Dispositionsveränderungen von Schultes (1835), Kiene (1844), Weigle (1871), Reiser (1972, mit Beseitigung der gesamten historischen Spielmechanik, nur das historische Pfeifenwerk bleibt bestehen).
2004: Rückführung auf die Disposition 1753/55 (IV/P/49) durch Kuhn, Männedorf und Klais, Bonn.
1751-
1753
Umbau der Orgel. Neu: IV/P/49. Erneuerung der Altregister. Neuer, freistehender Spieltisch. Dieser steht erhöht in der Mitte zwischen dem zweigeteilten Prospekt.
Orgelprospekt Ochsenhausen (1734)
Auf der hoch angesetzten Empore füllt der Prospekt die von Christian Wiedemann bis 1728 gebaute Mittelschiffverlängerung konkav vorschwellend vollständig. Bedingt durch das westliche Mittelfenster ist der Prospekt mit je vier Feldern zweigeteilt. Das jeweils höhere Mittelfeld enthält die 16-Zoll-Pedalpfeifen. Ausgerundete niedere Türme bilden die beiden Abschlüsse zu den Obergadenfenstern. Das fünfteilige Brüstungspositiv springt konvex vor und ist gekonnt in die Balustradenbrüstung eingebunden. Musizierende Engel und Putti beleben alle Gesimse. Ihr Schöpfer ist der Bildhauer Franz Joseph Erb.[1] Der Gehäusebauer ist unbekannt. Der zweigeteilte Prospekt enthält über dem Westfenster ein markantes dreiteiliges (und sogar klingendes) Kronpositiv. Diese Art der Überbrückung des Westfensters macht Schule.[2]
 
  Die Hauptorgel der Abteikirche Ochsenhausen
ist das Erstlingswerk des einheimischen
Orgelbauers und gleich ein kühner Entwurf,
in Mechanik und Windführung wegweisend.
Er baut sie 1729–1734 und nimmt 1751–1753
einen Umbau mit einem freistehenden
Spieltisch vor. Foto: Bieri 2010.
 
1730-
1731
Weingarten,
Benediktinerabtei,
Abteikirche St. Martin,
Chororgel.
Reparatur der 1724 durch Josef Bosshard (Baar) fertiggestellten Truhenorgel (I/P/14), aufgestellt in Chormitte. Das Orgelwerk Gablers wird vor allem im 20. Jahrhundert fortlaufend dezimiert. Im 2012 erfolgten Neubau durch Freiburger Orgelbau Hartwig & Späth, Freiburg (III/P/51) sind noch einzelne Register der Gabler-Orgel enthalten. Der Spieltisch ist neu. Die Traktur ist jetzt elektrisch.
1739–
1743
Neubau der Chororgel, nun mit Prospekten auf den Dorsalen des Chorgestühls. (II/P/22)
Orgelwerk und Spieltisch liegen auf der Nordseite, Ansteuerung der Südseite durch einen Trakturkanal.
Prospekte der Chororgel (1743)
Die siebenteiligen Prospekte sind auf die 1724 vollendeten Dorsalwände des Chorgestühls der Mimmenhausener Feuchtmayer-Werkstatt aufgesetzt. Sie übernehmen die Dorsalgliederung harmonisch und sind auf den ersten Blick nicht als spätere Zutaten zu erkennen. Ganz offensichtlich arbeitet hier der Klosterschreiner Anton Koch mit Joseph Anton Feuchtmayer zusammen. Dies würde auch die noch immer herumgeisternde Zuschreibung an einen nicht existierenden Simon Feuchtmayer aus Salem erklären.
 
Das nordseitige Chorgestühl in Weingarten (1724) mit dem Prospekt der Chororgel von 1743. Foto: Andreas Praefke 2011.  
 
1737–
1751
Weingarten,
Benediktinerabtei,
Abteikirche St. Martin,
Grosse Orgel auf der Westempore.
Neubau der Hauptorgel mit vier Manualen und 63 Registern (IV/P/63). Der Prospekt wird von der Klosterschreinerei nach dem Entwurf Gablers gebaut.
In das Orgelwerk wird 1878 bis 1954 mehrfach mit Erweiterungen eingegriffen. Traktur und Windladen bleiben aber original bestehen. 1981–1983 wird das Werk von Kuhn (Männedorf am Zürichsee) restauriert. Register, Pfeifen, Technik und Spieltisch sind seither wieder auf dem Stand von 1755.
  Der Prospekt fügt sich, konkav zum Innenraum geöffnet, in die Rundung der Westfront ein und zeichnet sich durch die Gruppierung des Pfeifenwerks um die sechs Fenster dieser Fassade aus. Zwei Haupttürme mit 32-Zoll-Pedalbass-Pfeifen (9,6 m) flankieren die beiden Mittelfenster. Oben werden sie mit dem bespielbaren Kronpositiv, welches eine Höhe von 14 m erreicht, überfangen. Die zwei äusseren Türme sind seitlich der vier weiteren Fenster der Fassadenrundung angeordnet. Die vier Türme sind durch dreiteilige Brückengehäuse zwischen den oberen und unteren Fenstern verbunden. In der Emporenbrüstung sind zwei Positive angeordnet, welche die Mitte frei lassen. Ihre Prospekte sind mit je drei Türmen und zwei Zwischenfeldern der Hauptorgel angeglichen.[3] Den Spieltisch stellt Gabler frei unter das Mittelfenster, der Organist hat nun dank der freien Emporenmitte und einer erhöhten Stellung des Spieltisches Sicht auf den Hochaltar. Das Prospektgehäuse ist ein Werk der Klosterschreinerei. Die Figuralplastik fertigt der Bildhauer Joachim Früholz,[4] der seine Werkstatt seit 1741 in Altdorf (Weingarten) hat. Alle seine Engel und Putti spielen eines der damals gebräuchlichen Musikinstrumente (Violine, Laute, Oboe, Flöte, Fagott, Hörner, Trompeten, Pauken, Glockenspiel, Tamburin, Triangel).
Die Orgel von Weingarten, wie sie Dom
Bédos de Celles in seinem Werk «L'Art
du facteur d'Orgues» 1770 als Stich
beifügt. Die Ansicht ist in den
Proportionen korrekt, nur der frei-
stehende Spieltisch unter dem West-
fenster ist zu klein dargestellt.
Dass die Brüstungspositive fehlen,
erklärt sich aus dem Standpunkt des
Zeichners.
 
  Dom Bédos de Celles beschreibt auch seinen Besuch in Weingarten. Der (hier übersetzte) Beschrieb ist deshalb interessant, weil selbst der berühmte Orgelbauer Riepp von den vielen neuen Registerbezeichnungen Gablers überfordert ist.
«Als ich diese Orgel im Jahr 1751 sah, war es mir nicht möglich, die Register im Inneren des Prospektes zu untersuchen. Herr Gabler, der allein die Schlüssel hatte, war zu diesem Zeitpunkt abwesend und etwa 30 Meilen [120 km] von der Abtei entfernt. Die meisten dieser Register sind mir unbekannt. Der Postbote hat mir inzwischen die Liste geschickt, allerdings in Deutsch, einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ich bat Herrn Orgelbauer Riepp, von Herkunft ein Deutscher, der seine Sprache gut spricht, mir die Namen all dieser Register auf Französisch zu nennen. Er antwortete, dass er sich immer nur darauf konzentriert habe, seine Orgeln «à la Françoise» zu bauen, (weil er in Frankreich ansässig ist), deshalb schenkte er den deutschen Register-Bezeichnungen für die nie seine Aufmerksamkeit, auch weil dass es viele gibt, die er nicht kennt. Er nannte mir in Französisch die Namen derjenigen, die er übersetzen konnte. Ich folgte der Liste Wort für Wort, wie er sie mir schickte».
Beschrieb und Perspektive werden von
Dom Bédos mit Grundrissen ergänzt.
Im oberen Grundriss ist die Orgel auf
Emporenniveau mit den Brüstungs-
positiven gezeichnet.
Im unteren Grundriss ist sie auf der
Höhe der Turmfüsse dargestellt.
Die Zeichnungen sind ein wohltuender
Gegensatz zu heutigen Orgelbeschrieben,
die den Prospekten keine Wichtigkeit
beimessen und nie Grundrisse zeigen.
 
 
 
1747–
1748
Ravensburg
Franziskanerinnenkloster,
Kapelle St. Michael (Kapelle 1824 zerstört).
Neubau (?) oder Reparatur der Emporenorgel. Verkauf 1812 nach Mariä Geburt in Hasenweiler, dort Neuaufbau (I/P/10) durch Franz Anton Kiene. 1912: Neubau der Orgel mit neuem Prospekt. 1996 wird eine neue Orgel in die Brüstung der Empore gebaut. Ihr Mittelteil soll der alte Gabler-Prospekt sein.
Prospekt in Hasenweiler: Der mittlere, fünfteilige Brüstungs-Prospekt von 1996 sollte, selbst wenn er das ehemalige Gehäuse der Gabler-Orgel der Franziskanerinnen-Kirche St. Michael ist, nicht als Werk Gablers bezeichnet werden. Er ist eine Schreinerarbeit von 1748 oder 1996.
1747–
1749
Ravensburg
Liebfrauenkirche.
Orgelerweiterung, vielleicht Neubau. Die Orgel wird schon 1862 zerstört.
 
1750 Buchhorn
(heute Friedrichshafen) Pfarrkirche St. Nikolaus,
Neubau (?) Emporenorgel.
Gabler wird für die «Verfertigung» der Orgel durch die Abtei Weingarten (sie ist Patronatsherr) bezahlt. Die Orgel wird schon 1845 von Franz Anton Kiene erweitert und 1902 neu gebaut. Sie wird 1944 im Luftkrieg zerstört.
 
1750 Hofen bei Buchhorn (heute Friedrichshafen),
Prioratskirche der Abtei Weingarten.
Gabler leitet die Reparatur der Orgel, ein Werk des Augsburger Orgelbauers Christoph Leu d. Ä. von 1702 (II/P/20). König Friedrich I., der neue Kirchenbesitzer, verschenkt die Orgel 1817 nach Tuttlingen. Dort Zerstörung 1902.
 
1752–
1755
Zwiefalten
Benediktinerabtei, Marienmünster.
Neubau der Chororgel (II/P/23).  mit zwei Prospekten auf den Dorsalen des Chorgestühls. Spieltisch in der Chormitte.
Prospekte und Werk werden 1814 auf der Westempore neu aufgestellt. 1956 Zerstörung der meisten noch immer vorhandenen Gabler-Register. Rekonstruktion der ehemaligen Chorsituation mit einem neuem (elektrischen) Orgelwerk von Späth in Mengen-Ennetach.
Die neunachsigen Prospekte der Chororgel stehen zweigeschossig, leicht konkav-konvex schwingend, über den trennenden Durchgängen des Rokoko-Chorgestühls, das 1747–1752 von Johann Joseph Christian und Martin Hörmann im Chor aufgebaut wird. Im oberen Geschoss ist die mittlere Achse mit 8-Zoll-Prinzipalpfeifen betont, während im unteren Geschoss die drei Mittelachsen zu einem Feld für die kleinen Prospektpfeifen zusammengefasst sind. Die Gehäuse sind eine Arbeit des Kunstschreiners Martin Hörmann aus Villingen. Eine Mitarbeit Christians ist nicht belegt, auch kann die zurückhaltende Bildhauerarbeit der Prospektaufbauten nicht mit der ausdruckstarken Rokokoarbeit des Gestühls mithalten.
 
1755–
1756
Maria Steinbach Wallfahrtskirche der Abtei Rot an der Rot. Neubau der grossen Westorgel (I/P/22). Spieltisch freistehend. 1926/28 Neubau des Orgelwerkes (II/P/26). Prospekt, Spieltisch, mechanische Traktur und die Rohrflöte 4’ bleiben erhalten.
Der Orgelprospekt schwingt sich zweigeteilt, beginnend beidseitig des Westfensters, auf die ganze Tiefe in fünf Teilen konkav-konvex nach vorne. Musizierende Putten bevölkern das geschwungene Gebälk. Ihr Bildhauer ist unbekannt. Die Orgel ist marmoriert, die Rocaille-Schleierbretter sind vergoldet. Über dem Fenster halten Putti das Wappen des Abtes Ambrosius. Die aussergewöhnliche Tiefenanordnung ist der seitlichen Begrenzung durch die Turmmauern geschuldet und lässt den Prospekt gegen das Kirchenschiff leider nicht zur verdienten Wirkung kommen.  
Die Orgel in Maria Steinbach ist fotografisch nicht in ihrer vollen Grösse erfassbar. Die Froschperspektive der Aufnahmen aus dem Kirchenraum können nur die vordersten Prospekttürme zeigen. Foto: Bieri 2009.  
 
1757–
1758
Rot an der Rot
Prämonstratenserabtei,
Klosterkirche St. Verena und Bruderschaftskirche.
Lieferung einer Emporenorgel für die Bruderschaftskirche St. Johann und Arbeiten an den Orgeln der Klosterkirche. Die Orgeln sind heute nicht mehr vorhanden. Ihre Disposition und Prospekte sind unbekannt.
 
1758–
1759
Memmingen
Stadtpfarrkirche
St. Martin.
Instandsetzung der grossen Orgel (II/P/24). 1845 wird die Orgel abgebrochen und ein Neubau in neugotischem Gehäuse erstellt.
1761 St. Gallen.
Ev. Stadtpfarrkirche
St. Laurenzen.
Bewerbung und Entwurf für den Orgelneubau (II/P/20), zusammen mit Joseph Laubekh. Die Orgel wird 1762/63 vom Thurgauer Orgelbauer Jakob Bommer aus Lommis gebaut. Abbruch 1856.
Der barocke Orgelprospekt von St. Laurenzen ist durch eine Entwurfszeichnung des Bildhauers Joseph Anton Feuchtmayer von 1762 überliefert. Der neunachsige Prospekt ist seitlich des grossen Chorfensters zweiteilig aufgebaut. Unter dem gotischen Fenster und noch in dieses eingreifend verbindet ein   dreiachsiges Werk die beiden Seitenwerke, die mit zwei Türmen betont sind. Die beiden äusseren enthalten die 16-Zoll-Pedalbässe. Das Brüstungspositiv ist nur auf einer Aquatinta (1831) von Johann Baptist Isenring zu sehen.  
Prospekt der 1762/63 nach einem Entwurf von Gabler gebauten Orgel der Laurenzenkirche in St. Gallen. Die halbseitige Prospektzeichnung des Bildhauers Joseph Anton Feuchtmayer ist hier gespiegelt. Bildquelle: Museum für angewandte Kunst, Frankfurt.  
 
1763–
1766
Ravensburg
Evangelische Kirchen.
Neubauähnlicher Wiederaufbau der Orgel (II/P/20) aus der Dreifaltigkeitskirche in der Karmeliterkirche.
Die bestehende Orgel der Karmeliterkirche (I/P/10) kommt in die «untere» Dreifaltigkeitskirche.
Die Orgel der «oberen» Karmeliterkirche wird 1860/61 anlässlich ihre Regotisierung abgebrochen und ersetzt.
Die Orgel der «unteren» Kirche verschwindet mit dem Abbruch der Kirche 1812. Die Prospekte beider Orgeln sind unbekannt.
 
1768–
1771
Bregenz
Stadtpfarrkirche
St. Gallus.
Neubau der Westorgel mit Brüstungspositiv (II/P/19). Fertigstellung durch den Gesellen Johann Friedrich Scharff bis ins Frühjahr 1772. Das Orgelwerk Gablers wird 1889 durch Mayer, Feldkirch und nochmals 1974 durch Hradetzky aus Krems an der Donau neu gebaut (heute III/P/33). Von der Gabler-Orgel ist heute nur noch der Prospekt vorhanden. Auch der Spieltisch ist modern.
Der Prospekt der Hauptorgel steht auf der unteren der beiden Westemporen. Neunachsig, als Kombination von fünf Rundtürmen mit vier zur Mitte abfallenden Zwischenfeldern, kragt er breitgelagert über die hohe vierjochigen Sockelzone aus. Die seitlichen 16-Zoll-Pedaltürme und das zwischen den beiden 8-Zoll-Mitteltürmen gespannte Kronpositiv berühren die Kirchendecke. Im offenen Raum zwischen dem Kronpositiv und dem dreiteiligen niederen Mittelfeld sind die Wappenkartuschen Vorderösterreichs und der Stadt Bregenz angebracht. Das dreiteilige Brüstungspositiv ist im Mittelfeld für die ehemals freie Sicht des Organisten vertieft. Das optisch störende 16-Zoll-Schwellwerk im Schichtholzgehäuse hinter der Orgel stammt ebenso wie der moderne Spieltisch (der die freie Sicht wieder verunmöglicht) vom Umbau 1974.  
Die Orgel der Stadtpfarrkirche St. Gallus ist das letzte Werk Gablers. Der bestehende Prospekt enthält seit 1974 ein unsensibel eingefügtes neues (und auf das Doppelte vergrösserte) Orgelwerk. Foto: A. Savin 2022

[1] Franz Joseph Erb (um 1700–1762), Bildhauer in Ravensburg.

[2] Erstmals baut der Orgelbauer Ignaz Egedacher 1722 ein Kronpositiv im Dom von St. Pölten. Bekannt wird dieses Motiv aber hauptsächlich durch die Ochsenhausener Orgel von Joseph Gabler.

[3] Für die Zuordnung der Register zum Prospekt und zu den Brüstungspositiven siehe die übersichtliche Darstellung der Wikipedia-Seite https://de.wikipedia.org/wiki/Orgeln_der_Basilika_St._Martin_(Weingarten) Dort sind auch die diversen Sagen über den Orgelbau und die verschiedenen Spielregister beschrieben.

[4] Joachim Früholz oder Frühholz (1715–1770) aus Kurbayern. Er kommt als Bildhauergeselle um 1735 in die Werkstatt des Georg Anton Machein (1685–1739) in Überlingen. Er heiratet 1739 hier und führt die Werkstatt bis zu seiner 1741 erfolgten Übersiedlung nach Altdorf (heute Weingarten). Seine Hauptwerke sind die Ausstattungen der Klosterkirche Schussenried (1746–1748) und der Wallfahrtskirche Steinhausen (1746-1750)

 

Die grosse Orgel in Weingarten ist das Hauptwerk des Orgelbauers Gabler. Ihr Prospekt ist eine Synthese von Orgel und Raumarchitektur zu einem Gesamtkunstwerk. Auch als Instrument findet die Orgel schnell grosse Beachtung, der französische Orgelbautheoretiker Dom Bédos de Celles veröffentlicht schon 1770 eine Beschreibung mit Plänen. Siehe dazu auch das Werkverzeichnis.
Fotograf Reinhold Möller (Bamberg) veröffentlicht 2013 diese hervorragende Aufnahme der Gabler-Orgel in der Wikipedia.
Joseph Gabler aus Ochsenhausen lernt das Orgelbauer-Handwerk in Mainz und arbeitet nach seiner Rückkehr ein Vierteljahrhundert für die Abteien Ochsenhausen, Weingarten, Zwiefalten und Rot an der Rot. In den Stifts- und Wallfahrtskirchen dieser schwäbischen Abteien sind auch seine Hauptwerke zu finden. Die «Grosse Orgel» von Weingarten ist dabei sein unübertroffenes Meisterwerk. Gabler gilt als der Hervorragendste der süddeutschen Orgelbauer des Spätbarocks. «Ohne das Vertrauen, die endlose Geduld und die Mittel seiner klösterlichen Auftraggeber hätte er diese künstlerischen Kraftakte wohl nicht geschafft; denn er war im Grunde ein einsamer Künstler, der seine genialen Ideen wohl allein aus dem künstlerischen Umfeld seiner schwäbischen Heimat bezog.» (Zitat Hermann Fischer).
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